Die Natur und die Stadt

Die Natur und die Stadt

Die Schweiz ist grün, vielleicht zu grün. Über Biodiversitätsstrategien

Episode 31: Aufbruch naturwärts - für die Entsiegelung der Städte und mehr Naturgärten. Auf dem Bundesplatz mit dem Pionier des Naturgartens Andreas Schild, 1. September 2022

Die Schweiz ist grün, vielleicht zu grün. Über Biodiversitätsstrategien

Während der Pandemie haben wir der Natur eine kleine Verschnaufpause verschafft - durch weniger Flüge oder mehr Bezug zu unserer unmittelbaren Umgebung. Aber in Bezug auf die Biodiversität ganz allgemein und damit eng verbunden den Klimawandel herrscht Alarmstufe Rot. Ende letzten Jahres kam gleich eine ganz Reihe von Berichten zu ähnlichen Schlüssen: der Schwund der Artenvielfalt ist international dramatisch, Zielkonflikte bei staatlichen Investitionen und Fehlanreize verschärfen das Probleme noch; die Lage ist nicht hoffnungslos, aber sie muss sofort und mit einem Blick für die gegenseitige Abhängigkeit von Mensch und Natur angegangen werden. Auch für die Schweiz gilt: Sie muss auf allen Ebenen - Bund, Kantone und Kommunen - aktiv werden. In dieser Episode unterhalte ich mich mit Daniela Pauli, der Geschäftsleiterin des Forums Biodiversität der Akademie der Naturwissenschaften der Schweiz und mit Sabine Tschäppler, der Leiterin der Fachstelle Natur und Ökologie in Bern. Pauli vertritt eher die nationale, Tschäppeler eher die kommunale Ebene. Beide erzählen uns: Was in der Schweiz zum Verlust der Biodiversität beiträgt? Warum diese für uns alle so wichtig ist? Oder: Wo Handlungsbedarf besteht.

Neue Gartenformen: diverser und durchlässiger

Schrebergarten - das war einmal. Heute sagt man je nach Schweizer Stadt Familien- oder Freizeitgarten. Doch nicht nur die Bezeichnungen haben sich geändert: Seit Daniel Gottlieb Moritz Schreber die „körperliche Ertüchtigung“ und „gesunde Triebabfuhr“ durch Gärtnern propagierte, hat sich vieles bewegt. Gartenareale sind mehr und mehr an den Rand der Städte gedrängt worden, denn die verschiedenen Bedürfnisse der BewohnerInnen, von Wirtschaft und Gesellschaft, sind gross und breitgefächert. Wenigstens sind die Gartenformen vielfältiger geworden. Mit einer neuen Generation von GärtnerInnen zogen das Urban Gardening oder Gemeinschaftsgärten in die Städte ein. - In dieser Episode erzählen der initiative Bürger Daniel Lis, wie man auch einfach mal ein Stück Rasen umzustechen kann, und der ehemalige Bereichsleiter von Stadtgrün Bern Philippe Marti, weshalb die Gartenareale unter Druck und welche neuen Lösungen dafür angedacht sind.

Alpen- und Mauersegler: Ein Leben in der Luft

Alpen- und Mauersegler sind Boten. Wenn sie Ende April/Anfang Mai von Afrika zu uns kommen, dann hat der Frühling definitiv begonnen. Beide Vogelarten verbringen ihr Leben grösstenteils in der Luft. Sie sind „Langstreckenzieher“ oder „Durchzügler“. Die Mauersegler bleiben nur gerade 3 Monate. Der Alpensegler etwas länger. Laut Vogelwarte Sempach nisten nirgendwo sonst in Mitteleuropa so viele Alpensegler an Gebäuden wie in der Schweiz. Insgesamt sind sie in rund 70 Ortschaften zu finden wie Chiasso, Bern, Freiburg, Luzern oder Zürich. Beide Segler haben - zumindest teilweise - die Felsen eingetauscht durch exponierte Bauten wie Kirchen, Burgen, Schulhäuser, Spitäler, Hochhäuser und Brücken. Sie haben sich an die Stadt gewöhnt, aber sie gelten trotzdem als potentiell gefährdet. Ausserdem leiden unsere Gäste unter dem Klimawandel und dem Verlust der Biodiversität. - Ein absoluter Fan, der Ornithologe Christof Angst, hat in Bern schon vieles für die Segler getan. Er erzählt in dieser Episode auch davon, was die Stadt und ihre BewohnerInnen für sie tun können.

Sanieren, Contracting und innovative Ideen für die Energiewende

Gebäude, ob privat oder durch die Wirtschaft genutzt, tragen rund einen Viertel zum CO2-Ausstoss der Schweiz bei. Der Wirtschaftsverband Cleantech stellt fest, dass nur 1 Prozent der EigentümerInnen in die Sanierung von Gebäudehüllen und in Wärmepumpen investiert. Auf Grund der Alterungsprozesse der Gebäude müssten es aber 3 Prozent sein. Warum ist das so? Welche Lösungen stehen momentan zur Verfügung? Und braucht es nicht auch radikale Ideen, um die Energiewende herbeizuführen? - In dieser Episode spreche ich mit zwei Spezialisten, die sowohl die Hemmnisse gegenüber nachhaltigen Formen der Gebäudesanierung kennen wie auch die Lösungen, die Private, Investoren oder Gemeinden bereits heute nutzen könnten. - Und zum Schluss dann noch die im Titel versprochene „Frischzellenkur“, einige innovative Gedanken zur Energiewende.

Leben auf dem Friedhof

Friedhöfe sind Orte der Ruhe, des Gedenkens an Verstorbene. Manche Menschen meiden diese Plätze, für andere sind sie willkommene Grünflächen im immer enger werdenden Gewebe der Stadt. Diese Inseln sind eingeschlossen zwischen Verkehrsachsen mit entsprechenden akustischen Emissionen, eingeklemmt zwischen Bus und Tram, Hochhäuser oder städtische Infrastrukturen. - Aber es geht auch anders, zumindest teilweise: Der Bremgartenfriedhof in Bern ist in der Schweiz einzigartig, und zwar sowohl in Bezug auf die Nutzung dieser Landreserven mitten in der Stadt, als auch in Bezug auf zeitgenössische Begräbnisformen und auf seine Biodiversität. Er ist ein Vorreiter für ein neues Verständnis von Friedhöfen. - Walter Glauser hat in den 10 Jahren vor seiner Pensionierung als Verantwortlicher Friedhöfe der Stadt Bern diese Orte geprägt wie kein anderer. Die Friedhöfe in Bern haben sich auch wegen ihm für immer gewandelt.

Wiese ist nicht gleich Wiese

Als Laiin konnte ich mir nicht vorstellen, dass auch Natur mit Prädikaten wie „Wiese von nationaler Bedeutung“ ausgezeichnet wird. Das Bundesamt für Umwelt, das BAFU, führt ein entsprechendes Inventar unter dem Bundesgesetz für Natur- und Heimatschutz: Diese Objekte sollen „ungeschmälert erhalten werden“. Ein herausragendes Beispiel für eine Halbtrockenwiese gibt es mitten in der Stadt Bern, am Aargauerstalden. Just dort, wo wir den Ausblick auf die Altstadt geniessen können, auf ein UNESCO-Welterbe. - Wolfgang Bischoff kennt sich mit Mager- und Trockenwiesen aus und erklärt, weshalb diese für die Biodiversität so wichtig sind. Er erzählt auch, wie sich Wiesen von Rasenflächen unterscheiden und weshalb er lokales Saatgut erntet, um es für städtische wie auch ländliche Grünflächen einzusetzen. Denn Wiese ist nicht gleich Wiese.

Warum Gärtnern entspannt

„Meine Mutter hat über 50 Jahre lang einen Familiengarten auf dem Bruderholz bei Basel geführt. Sie hat mir dieses kleine Stück Land oft als ihr Sanatorium geschildert. Seit den 70er-Jahren kann die Umweltpsychologie erklären, wie und warum die Natur eine Ressource für unsere psychische Gesundheit darstellt. In der Schweiz beschäftigt sich Nicole Bauer der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL mit diesem Thema. Im Verbund mit anderen Disziplinen und Instituten hat sie unter anderem im SNF-Projekt „Better Gardens“ mitgewirkt. - In dieser Episode erzählt Nicole Bauer unter anderem von den wichtigsten Konzepten der Umweltpsychologie, warum uns Gärtnern gut tut und wie sich Familien- und Gemeinschaftsgärten in den letzten Jahren verändert haben. Es geht auch um die Frage, was die Schweizer Städte in dieser Hinsicht noch besser machen könnten.“

Photovoltaik und Dachbegrünung. Wie Natur und Technik auf Flachdächern Synergien bilden

Vor rund zwei Jahren sagte das Opernhaus Zürich ja zu einer Dachsanierung ihres Requistenlagers Kügeliloo. Aus dem ursprünglichen Schettdach wurde ein Flachdach mit Photovoltaik und einer ökologisch wertvollen Begrünung. Der Non-profit-Verein Solarspar konnte mit attraktiven Lösungen experimentieren: mit aufgeständerten Paneelen und mit einem Mähroboter. Auch im Rahmen der Dachbegrünung konnte Regula Müller das Optimum ausprobieren: verschiedene Höhen und Arten des Substrats für die Flora, Kleinstrukturen aus Totholz und Sand oder Stein für die Fauna. Aus dem vermeintlichen Widerspruch von Begrünung und Stromerzeugung wurde eine Synergie. Markus Chrétien, Geschäftsführer von Solarspar und Regula Müller, Beauftragte von Grün Stadt Zürich für Dachbegrünungen erzählen, was es für das Gelingen dieser Kombination braucht.

Pilze in der Stadt

Ein Friedhof in Bern. Kalter Regen, kühle Luft, November… kurz gesagt: ungemütlich. Nicht so für die Herbstpilze, die dort wachsen. Ich bin mit Barbara Zoller unterwegs, die schon viele Jahre Pilze in der Stadt Bern kartiert, bei der Pilzkontrolle mitgeholfen hat und heute die umliegenden Spitäler bei Pilzvergiftungsnotfällen unterstützt. Alle paar Schritte auf und neben unserem Weg findet sie Pilze, grosse und winzig kleine, wie sie etwa auf dem Moos an einem Baum wachsen. Es gibt viele davon in der Schweiz und ebenso in der Stadt: essbare, nicht-essbare und teilweise auch hochgiftige. Der Spaziergang erweist sich als ergiebig und äusserst informativ. „Pilzle“ - so lerne ich - ist etwas für jene Menschen, die ein Auge für die kleinen Dinge haben.

Überraschendes zu den Völkern der Honigbienen

Die Wohlei, ein Weiler, liegt am Wohlensee, nahe der Stadt Bern. Ein lauschiger Ort mit einem traditionellen Bienenhaus neben einem Bauernhof. Diesen Herbst leben 12 Völker dort. Hans Staub betreibt diese Imkerei seit rund zwanzig Jahren. Er zeigt mir seine Arbeit und erzählt, weshalb ihn die Bienen so faszinieren. Eine Woche später kommen auch Michael Wittwer, Bienenköniginnenzüchter und Ausbildner des Grundkurses Imkerei und Beat Galliker, der Präsident des Bienenzüchtervereins Wohlen und Umgebung in die Wohlei. Wir sprechen über die aktuelle Situation der Völker der Honigbienen in und um die Stadt herum. Wir reden auch über die Imkerei, die sich auf den Verlust der Artenvielfalt und den Klimawandel einstellen müssen. - Das Gespräch hält einige Überraschungen bereit.