Die Natur und die Stadt

Die Natur und die Stadt

Zwei Podcasterinnen über Stadtökologie in Deutschland und der Schweiz

Episode 17: Muss Unterwäsche kompostierbar sein? Ein Interview mit Albin Kaelin, Chef von EPEA Switzerland über Cradle to Cradle, ein Zertifikat für die kreislauffähigen Wirtschaft. Veröffentlichung: 12. November 2021.

Zwei Podcasterinnen über Stadtökologie in Deutschland und der Schweiz

Die Sozialen Medien haben es möglich gemacht: Madlen Ziege und ihre Mitarbeiterin sind auf meinen Podcast aufmerksam geworden. Nach einer ersten Videokonferenz war klar: Wir müssen unbedingt eine gemeinsame Sendung machen. Madlen Ziege ist Biologin und Autorin des Buches „Kein Schweigen im Walde“. Ich war Journalistin und Dokumentarfilmerin, Dozentin und Designwisssenschaftlerin und bin heute Podcasterin. Zwei sehr unterschiedliche Karrieren also, die sich aber inhaltlich trotzdem beim Thema Stadtökologie und Biodiversität treffen. Und wir beide machen (trotzt und wegen Corona) Podcasts. Im Vergleich von Deutschland und der Schweiz gibt es Ähnlich-, aber auch Andersartigkeiten. So erzählt Madlen Ziege etwa über die Kaninchen in Frankfurt oder die Wildschweine in Berlin. Und ich erzähle von den Rehen auf dem Friedhof Hörnli in Basel oder den Bibern in den Schweizer Städten.  - Vergleiche helfen, die eigene Situation besser zu verstehen. Auch darum gab es rege Diskussionen, Besorgnis, und auch ein wenig Heiterkeit.

Die Schule für die Bäume der Zukunft

Basel ist eine der heissesten Städte der Deutschschweiz. Die Stadt liegt in einem Becken, umgeben von Hügeln, und der Rhein hat einen tiefen Graben ins Dreiländereck geschnitten. Dass es zunehmend heisser wird, ist für die Stadtgärtner*innen eine wohlbekannte Tatsache, auf die sie sich schon lange vorbereitet und für die sie verschiedene Strategien entwickelt haben. Da gibt es beispielsweise die Schulung der Bäume mittels entsprechender Techniken oder sie setzen auf eine möglichst grosse Vielfalt von Zukunftsbäumen, um damit für verschiedenste Risiken gerüstet zu sein. Basel war schon immer eine gute Adresse für sogenannte naturnahe Lösungen wie etwa Dachbegrünungen oder Naturschutzaktivitäten (mit der Rheinhalde gibt es dort das älteste Naturschutzgebiet der Schweiz). In dieser Episode erzählt Emanuel Trueb davon, warum das seiner Meinung nach so ist. Er spricht auch darüber, wie Bäume für ihre Zukunft in der Stadt vorbereitet werden. Eine Zukunft, die noch wärmer wird. Er redet auch über die Ökosystemleistungen, die Bäume für die Bewohnbarkeit der Städte erbringen und dass er sowohl eine Sehnsucht nach mehr Natur im kleinen Stadtkanton wahrnimmt wie auch eine Ungeduld… doch hier kein „Spoiler“. Hören Sie selbst.

Auf der Jagd nach invasiven Neophyten

Es ist nicht so lange her, da hatten einige Garten-Center die kanadische Goldrute noch im Sortiment. Auch den Kirschlorbeer oder den Sommerflieder findet man deswegen in vielen privaten Gärten. Bis zu einem gewissen Grad können die Stadtgärtner*innen diese Zierpflanzen, die zu den invasiven Neophyten gehören, im Schach halten. Nicht so, wenn sie in die freie Natur gelangen, auf Wiesen und in Wälder. Einmal dort angelangt vermehren sie sich schnell und müssen mühselig wieder entfernt werden, denn sie konkurrenzieren die einheimischen Pflanzen. Diese Arbeit ist so gross, dass viele Stadtgärtnereien heute die Unterstützung von Freiwilligen brauchen, um den Neophyten Herr und Herrin zu werden. Problem gelöst? - Mitnichten, denn auf der Jagd nach Neophyten begeben wir uns mitunter auch auf ein schwieriges Terrain. Sind alle Neophyten schlecht? Was machen wir mit einheimischen Pflanzen, die wegen der Überdüngung der Wälder wie wild spriessen? Wo ist die Kraft von Freiwilligen richtig eingesetzt? Wo nicht? Und was kostet das? Beispielsweise für grosse Unternehmen wie die SBB. In dieser Episode beleuchte ich nur einen kleinen Ausschnitt dieser Fragen. In der Episode 3 über die Dachbegrünungen war schon die Rede davon (siehe rechte Spalte). Ich werde wohl auch in Zukunft auf das Thema zurückkommen.

Mit dem Biber als Partner

In den USA, in ganz Europa und auch in der Schweiz war der Biber zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahezu ausgerottet. In den 60er-Jahren wurden an verschiedenen Orten wieder einzelne Biberpaare ausgesetzt, teils mit gemischtem Erfolg. Seit 1962 ist der Biber durch das Jagdgesetz des Bundes geschützt, auch seine Bauten. Heute gibt es schätzungsweise wieder 4000 Biber in der Schweiz, auch fast in jeder Stadt. Aufmerksame Spaziergänger*innen können ihre Spuren auf den Wegen entlang von Aare, Reuss oder Rhein entdecken. Vereinzelt fällt er auch einen Baum in einem städtischen Garten ;). Doch was die meisten Leute nicht wissen, ist, dass der Biber ein unschätzbarer Partner bei der Regenerierung von Flüssen, Auenlandschaften und deren Ökosystemen ist. - Einer, der genau darüber Bescheid weiss, ist Christof Angst, der Leiter der Schweizer Biberfachstelle. Vor 15 Jahren war er oft mit den kantonalen Wildhütern unterwegs. Denn die Kantone sind verantwortlich, wenn ein Biber beispielsweise auf dem Land eines Bauern einen Schaden anrichtet. 2006 wusste man noch wenig, heute hingegen sehr viel über den Biber und wie man gut mit ihm umgehen kann. Mit Christof Angst schauen wir in dieser Episode in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieses grossen Landschaftsarchitekten.

Naturnahes Wohnen: noch nicht die Regel

Für einmal bin ich in die sogenannte Agglo gefahren, nach Horgen, unweit der Stadt Zürich. Am Meilibachweg steht mit fabelhaftem Blick auf den Zürichsee eine Siedlung der Pensionskasse der Migros, der MPK, die 2008 erbaut wurde. Am Meilibachweg wurde der Aussenraum auf der Grundlage eines Biodiversitätskonzepts der Stiftung Natur und Wirtschaft umgestaltet. Seither gibt es an den Hängen Blumenwiesen, Holzhaufen für die Überwinterung von Igeln, einheimische Hölzer anstatt Neophyten und eine ganz besondere Spezialität, ein Amphibienlaichteich. Denn dieser Streifen Land wird nicht nur von Menschen bewohnt, sondern liegt an einem Korridor für Amphibien hinunter zum See. - Klingt idyllisch? Ja, schon, aber leider gibt es noch viel zu wenige solche Projekte in der Schweiz. Viele, auch manche Baugenossenschafte wollen zwar mehr Biodiversität, doch nur wenige setzen sie in die Tat um. Und dies obwohl klar ist, dass viele Mieter und Mieterinnen gerne naturnah wohnen würden. Woran liegt das? Unter anderem dieser Frage, geht diese Episode nach.

Wildtiere in der Stadt und ihre Rechte

Wenn es um die Rechte von Tieren (in der Stadt) geht, dann ist es nicht ganz einfach, sich einen Überblick zu verschaffen. Um für die Schweiz ganz oben zu beginnen: In der Schweizer Bundesverfassung ist die "Würde der Kreatur" geschützt. Darunter ordnen sich eine ganz Reihe nationaler Gesetz-gebungen wie etwa das Tierschutz- oder das Hundegesetz. Ausserdem hat die Schweiz internationale Abkommen wie etwa zum internationalen Handel mit Tieren unterzeichnet. Wer aber in die Tiefen der Rechte (von Tieren) und die Pflichten (von Menschen ihnen gegenüber) eindringen möchte, wer rausfinden möchte, wo die Schweiz Defizite hat oder zumindest Baustellen, der fährt am besten, wenn er sich dafür eine Reiseführerin sucht. - Ich habe mich bei Christine Künzli, der Stiftung „Tier im Recht“ erkundigt und wir haben uns an einem symbolischen Ort verabredet: in einem Tierpark, in dem viele wilde importierte Tiere in Gehegen, Aquarien oder Käfigen leben, wo sich heimische Wildtiere wie Raben oder Eichhörnchen frei bewegen und Haustiere oft an der Leine ihrer BesitzerInnen spazieren geführt werden. Für jede dieser Kategorien gelten teilweise andere Gesetze und Verordnungen. Keine Bange… Christine Künzli ist eine ausgesprochen gute Reiseführerin!

Die Schweiz ist grün, vielleicht zu grün. Über Biodiversitätsstrategien

Während der Pandemie haben wir der Natur eine kleine Verschnaufpause verschafft - durch weniger Flüge oder mehr Bezug zu unserer unmittelbaren Umgebung. Aber in Bezug auf die Biodiversität ganz allgemein und damit eng verbunden den Klimawandel herrscht Alarmstufe Rot. Ende letzten Jahres kam gleich eine ganz Reihe von Berichten zu ähnlichen Schlüssen: der Schwund der Artenvielfalt ist international dramatisch, Zielkonflikte bei staatlichen Investitionen und Fehlanreize verschärfen das Probleme noch; die Lage ist nicht hoffnungslos, aber sie muss sofort und mit einem Blick für die gegenseitige Abhängigkeit von Mensch und Natur angegangen werden. Auch für die Schweiz gilt: Sie muss auf allen Ebenen - Bund, Kantone und Kommunen - aktiv werden. In dieser Episode unterhalte ich mich mit Daniela Pauli, der Geschäftsleiterin des Forums Biodiversität der Akademie der Naturwissenschaften der Schweiz und mit Sabine Tschäppler, der Leiterin der Fachstelle Natur und Ökologie in Bern. Pauli vertritt eher die nationale, Tschäppeler eher die kommunale Ebene. Beide erzählen uns: Was in der Schweiz zum Verlust der Biodiversität beiträgt? Warum diese für uns alle so wichtig ist? Oder: Wo Handlungsbedarf besteht.

Neue Gartenformen: diverser und durchlässiger

Schrebergarten - das war einmal. Heute sagt man je nach Schweizer Stadt Familien- oder Freizeitgarten. Doch nicht nur die Bezeichnungen haben sich geändert: Seit Daniel Gottlieb Moritz Schreber die „körperliche Ertüchtigung“ und „gesunde Triebabfuhr“ durch Gärtnern propagierte, hat sich vieles bewegt. Gartenareale sind mehr und mehr an den Rand der Städte gedrängt worden, denn die verschiedenen Bedürfnisse der BewohnerInnen, von Wirtschaft und Gesellschaft, sind gross und breitgefächert. Wenigstens sind die Gartenformen vielfältiger geworden. Mit einer neuen Generation von GärtnerInnen zogen das Urban Gardening oder Gemeinschaftsgärten in die Städte ein. - In dieser Episode erzählen der initiative Bürger Daniel Lis, wie man auch einfach mal ein Stück Rasen umzustechen kann, und der ehemalige Bereichsleiter von Stadtgrün Bern Philippe Marti, weshalb die Gartenareale unter Druck und welche neuen Lösungen dafür angedacht sind.

Alpen- und Mauersegler: Ein Leben in der Luft

Alpen- und Mauersegler sind Boten. Wenn sie Ende April/Anfang Mai von Afrika zu uns kommen, dann hat der Frühling definitiv begonnen. Beide Vogelarten verbringen ihr Leben grösstenteils in der Luft. Sie sind „Langstreckenzieher“ oder „Durchzügler“. Die Mauersegler bleiben nur gerade 3 Monate. Der Alpensegler etwas länger. Laut Vogelwarte Sempach nisten nirgendwo sonst in Mitteleuropa so viele Alpensegler an Gebäuden wie in der Schweiz. Insgesamt sind sie in rund 70 Ortschaften zu finden wie Chiasso, Bern, Freiburg, Luzern oder Zürich. Beide Segler haben - zumindest teilweise - die Felsen eingetauscht durch exponierte Bauten wie Kirchen, Burgen, Schulhäuser, Spitäler, Hochhäuser und Brücken. Sie haben sich an die Stadt gewöhnt, aber sie gelten trotzdem als potentiell gefährdet. Ausserdem leiden unsere Gäste unter dem Klimawandel und dem Verlust der Biodiversität. - Ein absoluter Fan, der Ornithologe Christof Angst, hat in Bern schon vieles für die Segler getan. Er erzählt in dieser Episode auch davon, was die Stadt und ihre BewohnerInnen für sie tun können.

Sanieren, Contracting und innovative Ideen für die Energiewende

Gebäude, ob privat oder durch die Wirtschaft genutzt, tragen rund einen Viertel zum CO2-Ausstoss der Schweiz bei. Der Wirtschaftsverband Cleantech stellt fest, dass nur 1 Prozent der EigentümerInnen in die Sanierung von Gebäudehüllen und in Wärmepumpen investiert. Auf Grund der Alterungsprozesse der Gebäude müssten es aber 3 Prozent sein. Warum ist das so? Welche Lösungen stehen momentan zur Verfügung? Und braucht es nicht auch radikale Ideen, um die Energiewende herbeizuführen? - In dieser Episode spreche ich mit zwei Spezialisten, die sowohl die Hemmnisse gegenüber nachhaltigen Formen der Gebäudesanierung kennen wie auch die Lösungen, die Private, Investoren oder Gemeinden bereits heute nutzen könnten. - Und zum Schluss dann noch die im Titel versprochene „Frischzellenkur“, einige innovative Gedanken zur Energiewende.