Die Natur und die Stadt

Die Natur und die Stadt

Leben auf dem Friedhof

Episode 17: Muss Unterwäsche kompostierbar sein? Ein Interview mit Albin Kaelin, Chef von EPEA Switzerland über Cradle to Cradle, ein Zertifikat für die kreislauffähigen Wirtschaft. Veröffentlichung: 12. November 2021.

Leben auf dem Friedhof

Friedhöfe sind Orte der Ruhe, des Gedenkens an Verstorbene. Manche Menschen meiden diese Plätze, für andere sind sie willkommene Grünflächen im immer enger werdenden Gewebe der Stadt. Diese Inseln sind eingeschlossen zwischen Verkehrsachsen mit entsprechenden akustischen Emissionen, eingeklemmt zwischen Bus und Tram, Hochhäuser oder städtische Infrastrukturen. - Aber es geht auch anders, zumindest teilweise: Der Bremgartenfriedhof in Bern ist in der Schweiz einzigartig, und zwar sowohl in Bezug auf die Nutzung dieser Landreserven mitten in der Stadt, als auch in Bezug auf zeitgenössische Begräbnisformen und auf seine Biodiversität. Er ist ein Vorreiter für ein neues Verständnis von Friedhöfen. - Walter Glauser hat in den 10 Jahren vor seiner Pensionierung als Verantwortlicher Friedhöfe der Stadt Bern diese Orte geprägt wie kein anderer. Die Friedhöfe in Bern haben sich auch wegen ihm für immer gewandelt.

Wiese ist nicht gleich Wiese

Als Laiin konnte ich mir nicht vorstellen, dass auch Natur mit Prädikaten wie „Wiese von nationaler Bedeutung“ ausgezeichnet wird. Das Bundesamt für Umwelt, das BAFU, führt ein entsprechendes Inventar unter dem Bundesgesetz für Natur- und Heimatschutz: Diese Objekte sollen „ungeschmälert erhalten werden“. Ein herausragendes Beispiel für eine Halbtrockenwiese gibt es mitten in der Stadt Bern, am Aargauerstalden. Just dort, wo wir den Ausblick auf die Altstadt geniessen können, auf ein UNESCO-Welterbe. - Wolfgang Bischoff kennt sich mit Mager- und Trockenwiesen aus und erklärt, weshalb diese für die Biodiversität so wichtig sind. Er erzählt auch, wie sich Wiesen von Rasenflächen unterscheiden und weshalb er lokales Saatgut erntet, um es für städtische wie auch ländliche Grünflächen einzusetzen. Denn Wiese ist nicht gleich Wiese.

Warum Gärtnern entspannt

„Meine Mutter hat über 50 Jahre lang einen Familiengarten auf dem Bruderholz bei Basel geführt. Sie hat mir dieses kleine Stück Land oft als ihr Sanatorium geschildert. Seit den 70er-Jahren kann die Umweltpsychologie erklären, wie und warum die Natur eine Ressource für unsere psychische Gesundheit darstellt. In der Schweiz beschäftigt sich Nicole Bauer der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL mit diesem Thema. Im Verbund mit anderen Disziplinen und Instituten hat sie unter anderem im SNF-Projekt „Better Gardens“ mitgewirkt. - In dieser Episode erzählt Nicole Bauer unter anderem von den wichtigsten Konzepten der Umweltpsychologie, warum uns Gärtnern gut tut und wie sich Familien- und Gemeinschaftsgärten in den letzten Jahren verändert haben. Es geht auch um die Frage, was die Schweizer Städte in dieser Hinsicht noch besser machen könnten.“

Photovoltaik und Dachbegrünung. Wie Natur und Technik auf Flachdächern Synergien bilden

Vor rund zwei Jahren sagte das Opernhaus Zürich ja zu einer Dachsanierung ihres Requistenlagers Kügeliloo. Aus dem ursprünglichen Schettdach wurde ein Flachdach mit Photovoltaik und einer ökologisch wertvollen Begrünung. Der Non-profit-Verein Solarspar konnte mit attraktiven Lösungen experimentieren: mit aufgeständerten Paneelen und mit einem Mähroboter. Auch im Rahmen der Dachbegrünung konnte Regula Müller das Optimum ausprobieren: verschiedene Höhen und Arten des Substrats für die Flora, Kleinstrukturen aus Totholz und Sand oder Stein für die Fauna. Aus dem vermeintlichen Widerspruch von Begrünung und Stromerzeugung wurde eine Synergie. Markus Chrétien, Geschäftsführer von Solarspar und Regula Müller, Beauftragte von Grün Stadt Zürich für Dachbegrünungen erzählen, was es für das Gelingen dieser Kombination braucht.

Pilze in der Stadt

Ein Friedhof in Bern. Kalter Regen, kühle Luft, November… kurz gesagt: ungemütlich. Nicht so für die Herbstpilze, die dort wachsen. Ich bin mit Barbara Zoller unterwegs, die schon viele Jahre Pilze in der Stadt Bern kartiert, bei der Pilzkontrolle mitgeholfen hat und heute die umliegenden Spitäler bei Pilzvergiftungsnotfällen unterstützt. Alle paar Schritte auf und neben unserem Weg findet sie Pilze, grosse und winzig kleine, wie sie etwa auf dem Moos an einem Baum wachsen. Es gibt viele davon in der Schweiz und ebenso in der Stadt: essbare, nicht-essbare und teilweise auch hochgiftige. Der Spaziergang erweist sich als ergiebig und äusserst informativ. „Pilzle“ - so lerne ich - ist etwas für jene Menschen, die ein Auge für die kleinen Dinge haben.

Überraschendes zu den Völkern der Honigbienen

Die Wohlei, ein Weiler, liegt am Wohlensee, nahe der Stadt Bern. Ein lauschiger Ort mit einem traditionellen Bienenhaus neben einem Bauernhof. Diesen Herbst leben 12 Völker dort. Hans Staub betreibt diese Imkerei seit rund zwanzig Jahren. Er zeigt mir seine Arbeit und erzählt, weshalb ihn die Bienen so faszinieren. Eine Woche später kommen auch Michael Wittwer, Bienenköniginnenzüchter und Ausbildner des Grundkurses Imkerei und Beat Galliker, der Präsident des Bienenzüchtervereins Wohlen und Umgebung in die Wohlei. Wir sprechen über die aktuelle Situation der Völker der Honigbienen in und um die Stadt herum. Wir reden auch über die Imkerei, die sich auf den Verlust der Artenvielfalt und den Klimawandel einstellen müssen. - Das Gespräch hält einige Überraschungen bereit.