Die Natur und die Stadt

Die Natur und die Stadt

Urban Gardening für Anfänger*innen

Episode 35: Natur und Stadt hat nicht an Dringlichkeit verloren. Kurze Diskussionen mit rund einem Dutzend meiner ehemaligen GesprächspartnerInnen. 24. November 2022

Urban Gardening für Anfänger*innen

Als ich vor kurzem durch die Stadt spazierte, sah ich in einem Designer Markt eine schön gestaltete Kartonbox mit Saatgut… Was haben hier Samen zu suchen? fragte ich mich, aber ich dachte nicht weiter darüber nach. Einige Wochen später hörte ich von meiner Kollegin, dass eine Industriedesignerin eine Firma mit Namen Urban Roots. Ich lernte Scarlet Allenspach bei einem Interview in einem kleinen Laden im St. Johannquartier in Basel kennen. Mit ihrer Firma und einem Netzwerk von Kollegen und Mitarbeiterinnen will sie vor allem jene Menschen erreichen und unterstützen, die gärtnerisch noch ganz am Anfang stehen. Denn Balkone können je nach Ausrichtung und Besonnung ausser Geranien auch Oasen für allerlei Essbares werden. Und: Balkone haben gegenüber von Gärten gewisse Vorteile.

Mehr vertikale Gärten - jetzt!

Wir kennen alle die romantisch durch Efeu oder Reben verwachsenen Schlösser oder Bauernhäuser auf dem Land. Vor rund 20 Jahren haben visionäre Botaniker wie Patrick Blanc in Paris oder später avangardistische Architekten wie Herzog & DeMeuron mit dem Caixa Forum in Madrid vertikales Grün auch in die Städte gebracht. Doch Grünfassaden in den Städten sind nicht nur ein ästhetisches Erlebnis oder ein Modetrend, sie bieten auch handfeste Vorteile für das Klima in der Stadt, für die Häuser selbst , für ihre Bewohner*innen und für die Biodiversität. - Mit dieser Episode bin ich mit Daniel Hauri, einem Spezialisten für vertikale Gärten in der Stadtgärtnerei Zürich unterwegs, wo vor einigen Jahren eine Freiluftausstellung eingerichtet wurde. Man kann vier verschiedene Systeme besichtigen, die alle leicht andere Vorteile haben.

Von Stubentigern und Streunern. Über die Sonnen- und Schattenseiten

In der Schweiz leben rund 1.7 Mio. Katzen. Genau wissen wir dies nicht, diese Zahl ist eine Schätzung des Tierfutterhandels. Auch nicht präzise zu fassen, ist die Anzahl der Streunerkatzen, denn in der Schweiz müssen Katzen nicht registriert bzw. mit einem Chip versehen werden. Doch man nimmt an, es sind 300’000 Tiere. Während viele Halter*Innen ihre Haustiere hegen und pflegen, und ihre kranken Katzen zum Tierarzt bringen, sind die Streuner auf sich selbst gestellt, werden weder gefüttert noch kastriert. Eine ähnliche Disbalance herrscht im Tierschutzgesetz. Während es viele Artikel zum Schutz von Hunden darin gibt, gibt es zur Hauskatze gerade mal einen. - Zwei Spezialistinnen, die die oft schwierige Situation dieser Tiere kennen, sich für eine Verbesserung der Gesetzesgrundlagen engagieren oder Kastrationsprogamme zur Milderung des Katzenelends durchführen, erzählen in dieser Episode von ihren Erfahrungen und Wünschen. Und Carla, ein 13-jähriges Mädchen aus meinem Quartier, erzählt auch über die Sonnenseite ihres Lebens mit Katzen.

Das grüne Spital

Spitäler verbrauchen viel Energie - Wärme und Elektrizität -, produzieren viel Abfall - Haushalts- und medizinische Sonderabfälle - und sie belegen viel Raum in einer Stadt. Notgedrungenermassen, denn Spitäler erbringen eine unverzichtbare Dienstleistung für die Gesellschaft. Dennoch darf und muss die Frage gestellt werden: Wie, liebe Spitäler, wie habt ihr es mit der Nachhaltigkeit? - Diese Frage ist für die Insel Gruppe AG in Bern nicht neu. Im Gegenteil, es gibt dort eine Fachstelle für Nachhaltigkeit, die eben das Klimaziel Netto Null für Treibhausgasemissionen bis 2035 in der Strategie des Spitals verankern konnte. Und es gibt einen Spitalgärtner, der viel daran setzt, dass die Insel so grün wie möglich ist und der Inselpark biodivers. - Für diese Folge habe ich mit Stefan Müller gesprochen: spannend, dass es gerade auf dem Inselareal eine Fledermauskolonie gibt, die nachts die dortigen Insekten vertilgt. Diese Tiere haben im Moment zu Unrecht nicht den besten Ruf. Und ich habe Sabine Mannes getroffen, die damals noch Co-Leiterin der Fachstelle war. Wir haben unter anderem über die Hebel für mehr Nachhaltigkeit auf dem Areal gesprochen.

Natur schützen oder Natur födern? Zu Besuch im Smaragdgebiet Oberaargau.

Im Smaragdgebiet Oberaargau werden europaweit gefährdete Arten gefördert: so etwa die Feldlerche, die sich auf intensiv bewirtschafteten Landwirtschaftsflächen nicht wohl fühlt oder die Gelbbauchunke, die vermutlich länger auf unserem Planete lebt als wir Menschen. Geographisch und politisch treffen im Oberaargau die vier Kantone Luzern, Bern, Solothurn und Aargau aufeinander. Es befinden sich dort 19 Gemeinden und mitten drin liegt die Kleinstadt Langenthal. Seit 2009 und bis heute werden dort zwei Aufwertungsprojekte durchgeführt, um u.a. die oben genannten Arten zu fördern und seit letztem Jahr wird auch das Modellvorhaben „Den Garten der Agglomeration Langenthal gemeinsaam gestalten“ durchgeführt. Damit überlappen und ergänzen sich eine Vielzahl von Projekten und Initiativen. - Doch was ist denn nun so besonders am Smaragdgebiet, das kein Naturschutzgebiet im engeren Sinne sein will? Es ist die Zusammenarbeit von Bauern mit NaturschützerInnen oder von Behörden mit engagierten BürgerInnen. Mehr noch, dass die Bauern mithelfen, trägt wesentlich zum Erfolg bei. Einige von ihnen bewirtschaften mehr als die vom Bund vorgeschriebene Fläche extensiv. So etwa Adrian Glur, Landwirt aus Roggwil und Mitglied im Vorstand des Vereins Smaragdgebiet. In dieser Episode hören wir von seinen Erfahrungen und seinem Selbstverständnis. Und wir hören von Werner Stirnimann, dem Projektleiter des Modellvorhabens, der mich durch das Smaragdgebiet chauffiert hat. Im Oberaargau gehe es weniger darum, die Natur zu schützen als vielmehr sie zu fördern, meint er. - Doch was genau ist der Unterschied?

Wir Menschen brauchen den Wald - und nicht umgekehrt

Laut dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) ist 32% der Fläche der Schweiz bewaldet. 71% davon ist öffentlicher Wald, 29% gehört Privaten und 49% der Schweizer Waldfläche dienen dem Schutz. Doch nicht nur gegen Lawinen, Hochwasser oder Murgänge schützt der Wald. In Zeiten des Klimawandels wird überdeutlich, wie sehr wir Menschen den Wald brauchen - und nicht umgekehrt: Wie ein Staubsauger reinigt er die Luft, bindet er Wasser im Boden oder kühlt und befeuchtet er das Klima. Holz ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Welt und die Schweizer Wälder sind von enormer Bedeutung für die Biodiversität, denn 35% aller Arten hier sind auf den Wald angewiesen. - Die Burgengemeinde Bern ist selbst Waldbesitzerin, bewirtschaftet aber auch eine grössere Waldfläche für andere BesitzerInnen (insgesamt über 4000 ha). Der hauseigene Forstbetrieb bewirtschaftet die Wälder nach festgelegten Grundsätzen und zwar im Hinblick auf die Holzproduktion, auf die Erholung der Menschen und auf den Naturschutz. In den Reservaten macht der Wald, was er will. - Für diese Episode habe ich mit dem Förstermeister Stefan Flückiger gesprochen. Es wurde ein äusserst engagiertes und spannendes Gespräch über den Wald in Zeiten des Klimawandel, über Abholzungen im Gebiet des Amazonas oder über das traditionelle und das heutige Forstwesen, das im Moment eine enorme Verantwortung für die Gesellschaft trägt.

Natur braucht Stadt: Biodiversität in 10 Stationen

67 Prozent aller Tierarten, die in der Schweiz leben, und 45 Prozent aller einheimischen Pflanzen existieren auch in der Stadt. Wenn man bedenkt, dass die von der Landwirtschaft intensiv genutzen Flächen oft wenig biodivers sind, dann ist die Dichte an Wildtieren und -Pflanzen in der Stadt sogar höher als in vielen Landstrichen auf dem Land. Die Städte sind also besser als ihr Ruf, was deren Nutzen für die Biodiversität anbetrifft. Umso mehr Sinn macht es, diese Artenvielfalt zu bewahren, wenn nicht gar, zu erhöhen. Und eine weitere gute Nachricht: Jede/r Bewohner/in kann dazu beitragen und sei es mit nur einem Quadratmeter entsiegelter Fläche im Vorhof des Hauses oder im eigenen Garten, auf einem Stück Dachgrün oder einer Baumscheibe an einer öffentlichen Strasse. - Stadtgrün Bern hat im 2021 ein Aktionsjahr „Natur br(auch)t Stadt“ durchgeführt. Eine der Projektleiterinnen, Christine Föhr, hat dafür exemplarische Spaziergänge „ausgeschildert“, anhand derer man Station für Station etwas über die Biodiversität und die Unterstützungshilfen lernen kann: von der Wildhecke bis zum Nistkasten, vom Teich bis zum Obstgarten mitten in der Stadt. - Kommen Sie mit uns mit auf den beschaulichen Spaziergang, Hügel hinauf und Treppe hinab.

Eine Biberfamilie inmitten des Quartiers - kann das gut gehen?

Nach dem 2. Weltkrieg sah sich Aarau wie andere Städte in der Schweiz mit der Frage konfrontiert, wie es wachsen sollte. Bis damals und einige Jahrzehnte darüber hinaus hatte man eine Gartenstadt rund um den alten Stadtkern gebaut. Ab den 60er- und 70er-Jahren entschied man sich zu einem gewichtigen Ausbauschritt und baute über 20 Jahre verteilt am nordöstlichen Stadtrand vie langestreckte Zeilen mit insgesamt 1258 Wohnungen, zum Eigentum und zur Miete. Die Riegel sollten 19 Stockwerke bzw. bis zu 50 Meter hoch werden und mit seinen langgezogenen Linien die Juraketten aufnehmen. Heute leben dort rund 5000 Menschen, in einer Park-ähnlichen Umgebung und mit dem künstlich angelegten Sengelbach als Zufluss zur Aare. Niemand hätte gedacht, dass ausgerechnet dort eine Biberfamilien einziehen sollte. - Das klingt zwar romantisch, ist aber nicht ganz konfliktfrei. Der Fachspezialist Jagd und Fischerei des Kantons Aargau musst dort alle Register des Wildtiermanagement ziehen. Doch was umfasst das überhaupt?

Muss Unterwäsche kompostierbar sein?

Die Schweizer Qualitätsmarke Calida hat vor rund 4 Jahren begonnen, ihr Sortiment in Bezug auf seine Kreislauffähigkeit zu prüfen. Das ist alles andere als ein triviales Problem, denn vom Nähfaden, über das Textil selbst, das Elastband usw.  muss alles biologisch abbaubar sein. Seit nunmehr 30 Jahren gibt es das Zertifikat Cradle to Cradle (CtoC), des Deutschen Chemikers Braungart und des amerikanischen Architekten McDonough, das festlegt, wie die Bestandteile von Produkten sein müssen, die wieder einsetzbar sein sollen (Upcycling!). Der ehemalige Textilfachmann und CtoC-Spezialist Albin Kaelin hat Calida in den letzten Jahren bei der Entwicklung ihrer Innovationen unterstützt. Es ist ein spannendes Gespräch geworden, das weit über die Textilbranche hinausgeht. 
- Was genau sind die Prinzipien von CtoC?
- Warum darf es uns nicht egal sein, wie wir unseren Abfall entsorgen?
- Was macht die EU im Moment besser in diesem Bereich und wie belügt sich die Schweiz in dieser Hinsicht?
- Wie motiviert man Firmen, sich auf den Marathon Richtung Kreislaufwirtschaft einzulassen?
- Warum hilft Albin Kaelin einem neuen Projekt aus der Schweizer Modeinstrutrie, „Circular Clothing“?
Und wir beantworten natürlich auch die Frage: Muss Unterwäsche kompostierbar sein?

Zwei Podcasterinnen über Stadtökologie in Deutschland und der Schweiz

Die Sozialen Medien haben es möglich gemacht: Madlen Ziege und ihre Mitarbeiterin sind auf meinen Podcast aufmerksam geworden. Nach einer ersten Videokonferenz war klar: Wir müssen unbedingt eine gemeinsame Sendung machen. Madlen Ziege ist Biologin und Autorin des Buches „Kein Schweigen im Walde“. Ich war Journalistin und Dokumentarfilmerin, Dozentin und Designwisssenschaftlerin und bin heute Podcasterin. Zwei sehr unterschiedliche Karrieren also, die sich aber inhaltlich trotzdem beim Thema Stadtökologie und Biodiversität treffen. Und wir beide machen (trotzt und wegen Corona) Podcasts. Im Vergleich von Deutschland und der Schweiz gibt es Ähnlich-, aber auch Andersartigkeiten. So erzählt Madlen Ziege etwa über die Kaninchen in Frankfurt oder die Wildschweine in Berlin. Und ich erzähle von den Rehen auf dem Friedhof Hörnli in Basel oder den Bibern in den Schweizer Städten.  - Vergleiche helfen, die eigene Situation besser zu verstehen. Auch darum gab es rege Diskussionen, Besorgnis, und auch ein wenig Heiterkeit.