Die Natur und die Stadt

Die Natur und die Stadt

Staffel 4, Episode 2: Schwammstadt - Was können wir bei Starkregen tun. Mit Martin Joos, Stadtingenieur und Amtsleiter Tiefbauamt Winterthur und Michael Wiesner, Biologe ETH, Leiter Ökologie Winterthur. Start: 2.4.2026, (Neu auch im Videoformat!)

Die Hängenden Gärten von Dietikon

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Wenn die Temperaturen klettern, geraten unsere Städte unter Druck. Es war 33 Grad heiss, als wir uns für diese Episode von "Die Natur und die Stadt" im Limmattal trafen. Doch statt über das Problem zu klagen, haben wir uns ein zukunftsweisendes Demonstrationsprojekt angeschaut: die hängenden Gärten von Dietikon. An einem Veloparkhaus direkt beim Bahnhof wurde ein einzigartiges Experiment gestartet. Das Ziel: die Öffentlichkeit, aber auch Immobilieninvestoren und Behörden zu überzeugen, dass Vertikalbegrünung die Zukunft unserer Städte mit-gestaltet.
Gemeinsam mit Partnern wie der Stadt Dietikon oder der ZHAW hat der Clean Tech Hub unter der Leitung von Alexander Carisch dieses Projekt ins Leben gerufen. Dabei werden drei verschiedene Begrünungssysteme der drei Firmen Gabs, Wildwall und Skygardens auf ihre Effektivität getestet. Das letztgenannte System stammt von Fabian Meiers Firma, die einen natürlichen und "wilden" Ansatz verfolgt hat. Seine Fassadenbegrünung setzt nicht nur auf Ästhetik, sondern auch auf Nutzen: Hier wachsen sogar essbare Pflanzen wie Erdbeeren.
Wie mein Interviewgast Adrian Burri von der ZHAW erklärt, geht es in den Diskussionen heute kaum noch um das Ob der Stadtbegrünung. Die grosse Frage ist nun das Wie. - Diese Episode erzählt davon, wie dieses Projekt den Weg von der Idee zur Realität ebnen will.

Fahrradwege - Schlüssel zu einer grünen Stadt  

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Warum blicken wir neidisch nach Kopenhagen oder Paris, wo die Verkehrswende scheinbar schneller voranschreitet? Auch die Schweiz macht Fortschritte, wenn auch langsamer. Ein positives Beispiel ist der neue Velotunnel unter dem Zürcher Hauptbahnhof, für dessen Fahrradnutzung sich Pro Velo Zürich 14 Jahre lang erfolgreich eingesetzt hat. Demnächst wird es in Zürich und Basel auch sogenannte Vorzugsrouten geben, die 2.5 Meter breit sind! - Doch wie gut sind die bereits existierenden Fahrradwege? Roger Fischer, Initiant der VelObserver App, hat Erstaunliches zu berichten: Behörden haben oft kaum Wissen über die Bedürfnisse von Velofahrer:innen. Wie können sie da velogerecht planen ;). Mit der VelObserver App können Nutzende die Qualität der Velowege bewerten. Die so gesammelten Daten will Fischer den Verkehrsplaner:innen zur Verfügung stellen – eine Chance, die Radverkehrsplanung in Zürich und anderen Städten zu verbessern. Und so nebenher hoffentlich auch zur Begrünung der Strassen beitragen.

Eichhörnchen - Akrobaten in den Bäumen

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Wer hat nicht schon geschmunzelt, wenn er oder sie im Park einem geschäftigen Eichhörnchen begegnet ist, das in akrobatischer Manier Bäume hochklettert oder über Äste springt, die nach unserer Einschätzung eigentlich nicht halten können? Der Basler Kannenfeldpark ist eine solche Beobachtungsstation, da die Dichte an diesen Nagern dort sehr hoch ist. Wir erfreuen uns an ihrem Wildtierleben in der Stadt, doch wissen oft nicht, dass der Grossteil der Eichhörnchen nicht älter wird als ein Jahr, obwohl sie in menschlicher „Obhut“ locker 10-12 Jahre leben könnten. Die Risiken und Feinde dieses Wildtiers sind mannigfaltig und bilden einen starken Kontrast zum "Jöö", mit dem wir ihre Akrobatik gerne kommentieren. - In dieser Episode spreche ich mit Nicole Schnyder, deren Faszination für Eichhörnchen auf ihrem Balkon begann und sie dazu bewog, aktiv zu werden. Sie arbeitet mit der Eichhörnchen-Auffangstation in Freiburg im Breisgau zusammen und hat eine Auswilderungsvoliere in der Nähe von Basel auf deutschem Boden. Lass dich überraschen, wie viel mehr es über die Eichhörnchen zu entdecken gibt, denen wir im Alltag begegnen, ohne uns viele Gedanken zu machen.

Therapiegärten: Wo Gesundheit wächst

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Es ist allgemein bekannt, dass Gärtnern Entspannung und Wohlbefinden fördert. Viele Stadtbewohner*innen weltweit gärtnern aus unterschiedlichen Gründen: zur Selbstversorgung, zur Gestaltung schöner Umgebungen oder zur Förderung der Biodiversität. Doch Gärten können noch mehr: Sie beeinflussen Heilungsprozesse positiv – ob bei der Genesung nach Unfällen oder Krankheiten, bei beginnender Demenz oder in psychiatrischen Einrichtungen. Ich habe in meinen Recherchen für mein Buch über Grüne Städte entdeckt, dass etwa Singapur ein Netz von Therapiegärten oft in Spitalnähe errichtet hat und in ihnen eine Vielfalt von Aktivitäten anbietet. Es gibt auch in der Schweiz viele „Best Practices“ wie etwa in den psychiatrischen Kliniken von Basel oder in Königsfelden oder in der 4. Saison auch das Paraplegie-Zentrum in Nottwil. Der ganz grosse Durchbruch ist im Schweizer Gesundheitswesen jedoch noch nicht gelungen. Darum hier diese Episode mit dem Gespräch mit Grischa Rittinghaus-Seidt und einem Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft Gartentherapie und Gartenagogik (SGGTA), mit Anne Gernhardt. Zu Gast waren wir im Therapiegarten des Paraplegiker-Zentrums in Nottwil, wo wir durch eine Ergotherapeutin begrüsst wurden.

Permakultur als Lebensphilosophie

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An einem regenfreien Morgen im Mai stehe ich mit meinen zwei Interviewpartnerinnen auf dem Gelände der Hardturm-Brache. Seit 2011 wird dieses Stück Land zwischengenutzt. Seit mehr als einem Jahrzehnt also gibt es dort Gärten und spriessen viele andere Initiativen wie ein Mittagstisch oder ein Pizza-Ofen aus dem Boden. Kurz: Es gibt dort im Westen von Zürich ein kunderbuntes Patchwork von Aktivitäten. Die Hardturm-Brache ist auch ein Anschauungsbeispiel für die Permakultur. Darüber spreche ich in dieser Episode mit Tania Schellenberg, einer Umweltwissenschaftlerin und Maria del Pilar Porras, einer Architektin. Ich bin auf die zwei Frauen wegen ihres Kurses gestossen, der Leuten die Permakultur für den städtischen Alltag näher bringen will, unabhängig davon, ob jemand einen Garten besitzt oder nicht. Denn bei der Permakultur geht es nicht „nur“ um regerativen Gemüse- oder Obstanbau, es geht auch um einen Lebensstil. Mit ganz vielen kleinen Dingen, die in (fast) jedem Haushalt anfallen, wie zum Beispiel Kaffeesatz, kann man schon ganz herrliche Dinge tun. In dieser Episode geht es also auch um die Philosophie der Permakultur, ihre Werte, Gestaltungsprinzipien und ethischen Leitsätze. Für mich hielt dieses Gespräch viele Überraschungen bereit.

Die Wildstauden-Gärtnereien werden rar

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Ausgerechnet jetzt, wo der Bedarf nach einheimischen Pflanzen wächst, werden Wildstauden-Gärtnereien seltener. Was passiert da gerade? Denn endlich ist die Nachfrage nach Wildstauden, sprich einheimischen Pflanzenarten, und sogenanntem autochthonem Saatgut gestiegen, da hapert es mit dem Angebot. - Ich habe mit zwei Personen gesprochen, die wissen, was Sache ist. Patricia Willi hat über 35 Jahre lang eine Wildstauden-Gärtnerei in Eschenbach aufgebaut und geleitet. Von den rund 3000 einheimischen Pflanzenarten, die in der Schweiz wachsen, hat sie 500-600 in der Wildnis gesucht, dokumentiert, wo genau sie sie gefunden hat, und in ihrer Gärtnerei kultiviert. Vor vielen Jahren war eine Wildstauden-Gärtnerei als Geschäftsmodell zu wählen noch ein risikobehafteter Entscheid. Heute ist das anders. Kai Pulfer, zuständig für NaturgärtnerInnen bei Bioterra, kann glücklicherweise ein Wachstum der Nachfrage bei biologisch zertifizierten Profis vermelden. Also bei jenen Leuten, die bei den Wildstauden-Gärtnereien einkaufen. Und Kai Pulfer bestätigt auch, dass für Siedlungs- und Begrünungsprojekte in der Agglo und in der Stadt zunehmend einheimische Pflanzen benötigen. Die Ampeln stehen also endlich auf grün, da sollte man nicht mit angezogener Handbremse losfahren müssen… Was dagegen tun?

Über Wildnis (auch in der Stadt) schreiben

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Ziemlich zu Beginn des Gesprächs mit dem Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Jan Röhnert, erzählt er von Novalis, dem grossen Deutschen Romantiker, der das Bild der blauen Blume und die Sehnsucht danach entscheidend geprägt hat. Was ich nicht wusste, war,
dass Novalis u.a. in Leipzig lebte und dass er einem „naturwissenschaftlichen Job“ nachging.
Er trug zur Erschließung der dortigen Braunkohlelagerstätten bei und damit auch dazu, dass sich die Landschaft um Leipzig durch den Kohleabbau auf immer veränderte. Sie wurde schliesslich geflutet, zu einer Seenlandschaft, oder anders ausgedrückt, zu einer Bergbaufolgelandschaft. Auch Jan Röhnert lebt in Leipzig. Er reist mit uns in seinem neuen Buch „Wildnisarbeit. Schreiben, Tun und Nature Writing“ gen Leipzig und in das Herz der Stadt hinein. Hier wird er Zeuge, wie dort ein kleines Stück Wildnis in der Stadt, die Leuschner Brache mehr oder minder verschwindet. Doch wie es der Titel des Buches sagt, beschäftigt sich Jan Röhnert nicht nur mit Brachen und Landschaften, sondern auch damit, was „Nature Writing“ überhaupt ist. Kurz gesagt: Für Jan Röhnert ist dieses Genre, das Schreiben über, mit und durch die Natur, ein literarisches-poetisches-politisches und vor allem auch ein ökologisches Projekt. Denn anders als zu Novalis’ Zeiten ist der Artenschwund und das Verschwinden ganzer Landschaften heute im Echtzeit erlebbar.

Lebensmitteldepot - Gemüse für das LENA-Haus

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Das Westfeld im Basler Iselin-Quartier fühlt sich für mich sehr städtisch an: Ein grosses Spitalgebäude für die Altersmedizin, weitere grosse und kleine Gebäude für Restaurants, Cafés oder Kleinunternehmen, Einkaufsmöglichkeit und ein Fitness-Center. Mitten drin steht das LENA-Haus, eine Wohngenossenschaft für gemeinschaftliches und nachhaltiges Leben. Während der Corona-Zeit diskutierten zukünftige BewohnerInnen, wie man die Zukunft dort gestalten wollte. Im Einkauf von Lebensmitteln und dem gemeinsamen Kochen sah man viel Potential für einen nachhaltigen Lebensstil. Die grossen Projekte haben sich etwas gewandelt. Heute gibt es im LENA-Haus neben vielen anderen Räumen, die zusammen genutzt werden, das Cantilena, ein vegetarisch-veganes Restaurant, und ein Lebensmitteldepot. Das Gemüse, das dafür angeliefert wird, stammt vom Bio-Betrieb Eulenhof im aargauischen Möhlin. Das Verbindungsglied zum LENA-Haus ist eine Solidarische Landwirtschaftsgruppe der Solila. Und nochmals eine Stufe tiefer wird das Lebensmitteldepot von einer Betriebsgruppe des LENA-Hauses gemanagt. - Wie das Depot und die Solawi genau funktionieren, erzählen in dieser Folge Dörte, Barbara und Lukas.

Viele kleine Massnahmen bewirken in Summe viel

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Als letztes Jahr die Biodiversitätsinitiative in der Schweiz abgelehnt wurde, titelten ausländische Medien, die Schweizerinnen hätten sich gegen eine Ausweitung des Naturschutzes ausgesprochen. Ist das wirklich so? Was ich eher beobachte, ist dass (fortschrittliche) Kreise eher „neue“ Formen suchen, Naturschutz zu betreiben; nicht mehr nur Flächen auszugrenzen oder mit einem Zaun zu versehen, sondern anders zu umzusetzen. Vor kurzem habe ich im Zusammenhang damit entdeckt, dass sich London 2019 als einen Naturschutzpark, als London National Park City ausgerufen hat. Eine radikal neue Idee steckt hier dahinter, ein Paradigmenwechsel: Städte könnten Orte sein, in der der Natur nicht nur ein Plätzchen eingeräumt wird, sondern in die sich die Stadt einbettet. Dann habe ich mich mit Basel beschäftigt und gesehen, dass auch dieser flächenmässig beschränkte Stadtkanton ein etwas anderes Verständnis von Naturschutz hat. Dort gibt es keine „segregative“, sondern „integrative“ Naturschutzmodelle. - Im Gespräch mit Yvonne Reisner der Basler Stadtgärtnerei, die seit 18 Jahren im städtischen Naturschutz arbeitet, haben wir dieses Thema ausgelotet.

Ein essbares Quartier in Utrecht

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Eines der Merkmale Grüner Städte ist, dass sie vermehrt Raum schaffen für Freizeit- oder Gemeinschaftsgärten, kreativ gestaltete Baumscheiben, städtische Landwirtschaft oder zumindest lokale Lebensmittelproduktion in vielen verschiedenen Varianten. In meinen Recherchen habe ich gelernt, dass Grüne Städte auf ähnliche Massnahmen und Tools zurückgreifen, aber je nach klimatischem, politischem und kulturellem Kontext haben sie unterschiedliche Schlüsselprojekt hervorgebracht oder Spezialitäten entwickelt. In dieser Episode soll es um Utrecht in den Niederlanden gehen. Über diese Stadt gäbe es viel zu sagen:
Sie hat sich dem Fahrradverkehr verschrieben, hat eine städtische Autobahn in einen Kanal verwandelt, baut ein gänzlich autofreies Quartier, verfügt über eine ausgesprochen aktive Bevölkerung, die grüne Projekte entwickelt, an die Stadtregierung heranträgt und - von dieser auch gehört wird. Dies war zumindest so bei einem neuen Siedlungsprojekt in Rjinvliets jenseits des Amsterdam-Rhein-Kanals, wo nicht nur Häuser und Wohnungen gebaut wurden, sondern eine grün-blaue Infrastruktur und mit einem Urban Food Forest. Was es mit diesem essbaren Quartier auf sich hat, darüber habe ich mit Jerylee Wilkes-Allemann von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL gesprochen, einer Fachexpertin für Urban Forestry, für städtische Wälder.

Über diesen Podcast

Hallo, ich bin Claudia von „Die Natur und die Stadt“.

Dieser Podcast gibt der Natur in der Stadt durch die vielen Menschen, die sich um sie kümmern, eine Stimme. Wenn möglich, gehe ich mit meinen Interviewpartner*innen vor Ort und lasse sowohl begeisterte Hobbyist*innen wie auch Fachleute und Wissenschaftler*innen zu Wort kommen. Ich beleuchte mit ihnen vier zentrale Fragen:

1. Wie geht es der Natur in der Stadt - auf dem Hintergrund von Klimawandel und Schwund der Artenvielfalt?
2. Welche Ökosystemleistungen erbringt die Natur gegenüber der Stadt und ihren Menschen? Wie können etwa Natur-basierte Lösungen für die Folgen des Klimawandels genutzt werden?
3. Wie sieht eine zukunftsfähige Beziehung von Natur, Mensch und Stadt aus?
4. Was ist eine Grüne Stadt oder wie kann sie eine werden?

Ich gebe alle drei Wochen eine Newsletter raus. Schreibe regelmässig auch Blog-Beiträge auf natureandthecity.ch. Auf Social Media folgen: YouTube, Facebook, Instagram und LinkedIn.

Ab 2026 wird Die Natur und die Stadt auch als Videocast auf YouTube erhältlich sein. Bitte beachten: Die meisten Episoden sind auf Schweizerdeutsch!

Finanziert wird der Podcast im Moment durch mich. Die kommende Staffel 4 ab 2026 wird unterstützt durch Swisslos, die Christoph Merian Stiftung, die Ernst Göhner Stiftung, das IWB und meinen Eigenleistungen.

von und mit Claudia Acklin

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